Worte im Grünen - Deutschprojekt der Klasse 6c

Am Freitag, den 22. Mai, verwandelte die Klasse 6c den Glacis-Park in einen Ort voller Fantasie und Sprache. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten an mehreren kreativen Aufgaben, bei denen sie Bäumen eine Stimme gaben, geheimnisvolle Szenen auf einem leeren Spielplatz weiterdachten, Geräusche aus der Umgebung in kurze Geschichten verwandelten und kleine Fundstücke zu Ausgangspunkten eigener Erzählungen machten. Wer wollte, präsentierte zum Abschluss seinen Text vor der Klasse und zeigte, wie vielfältig und lebendig Sprache werden kann. Im Folgenden wird eine Auswahl der entstandenen Schreibprodukte veröffentlicht, der einen kleinen Einblick in die große Kreativität der Klasse 6c geben soll:

Linus Häfele: Der Baum hat in seinem Leben schon vieles erlebt. Gutes — wenn Menschen ihn bewundern oder Müll aufsammeln. Aber auch Schlechtes — vor allem Umweltverschmutzung. Wenn er sprechen könnte, würde er uns erzählen, wie sehr es ihm weh tut, zu sehen, wie alles um ihn herum verschmutzt wird. Über die Menschen denkt er wahrscheinlich ganz unterschiedlich: über manche gut, über andere weniger gut. Er würde uns berichten, wie es ist, einfach nur dazustehen und trotzdem ein vielfältiger Lebensraum zu sein. Und bestimmt hätte er unzählige Erlebnisse, die er uns erzählen könnte.

Alina Nieß: Die Winde, die wehten, die Stürme, die brausten, rissen ein paar Zweige ab. Doch nichts brachte mich zu Fall. Ich habe schon viele seltene Wasservögel gesehen, Tiere und Menschen. Manche waren fröhlich, andere trübsinnig. Ich stehe hier seit vielen Jahren, und nichts bewegt mich fort. Woran die Menschen wohl dachten, als sie mich mit wachen Augen betrachteten. Manchmal krabbelte ein Käfer meine Rinde hinauf — manchmal gruselig, und manchmal ritzten Menschen Zeichen in mich. Doch seht: Ich stehe noch immer hier. Mit einer prächtigen Krone auf dem Kopf höre ich dem Geschnatter zu. Ich bleibe hier, und nichts hält mich auf.

Hannah Gentner: Ein großes Blätterzelt mit kräftigem Stamm. Ja — der Baum lebt schon sehr lang. Hundertfünfzig Jahre alt! So lange hat er sich in der Wiese festgekrallt. Menschen sieht er jeden Tag — ob einsam oder nicht. Für viele ist er ein helles Licht.

Niklas Eppelt: Er würde so viele Dinge erzählen, wenn er nur sprechen könnte. Er hat schon Millionen von Menschen gesehen und über jeden denkt er etwas anderes. Über manche vielleicht, dass sie etwas Schlimmes vorhaben — vielleicht sogar jemandem wehtun wollen. Doch er glaubt auch, dass es viele Menschen gibt mit gutem Verstand, die Gutes tun. Er sieht Autos, Menschen, Tiere und Häuser, doch weiß er überhaupt, was all das wirklich ist? Wahrscheinlich weiß er mehr über die Zeit als jeder Mensch. Er ist ein schöner Baum, ein Unterschlupf für viele Tiere. Er hat gesehen, wie Menschen an ihm vorbeigingen, ohne ihn zu beachten. Vielleicht steht er schon seit hundert Jahren genau an diesem Platz.